Logistikdienstleister Achtung die Blutproben – Ladungssicherheit in der Pharma-Logistik

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Wenn es um die Ladungssicherheit geht, gibt es, allein schon wegen der umfassenden Vorschriften, keine Kompromisse. Schon gar nicht bei gefährlichen Gütern oder temperatursensiblen Sendungen aus dem medizinischen und pharmazeutischen Bereich. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Dienstleister.

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Bei Logistikdienstleistungen für gefährliche Güter gelten höchste Sicherheitsstandards hinsichtlich Verpackung, Ladungssicherung und Transport.
Bei Logistikdienstleistungen für gefährliche Güter gelten höchste Sicherheitsstandards hinsichtlich Verpackung, Ladungssicherung und Transport.
(Bild: TNT)

Wir befragten Unternehmen nach ihrem Leistungs- und Serviceportfolio in puncto Ladungssicherheit, die produktspezifische Schutzverpackungen und gefahrgutspezifische Lagerlogistik ebenso umfasst wie speziell ausgestattete Fahrzeuge sowie lückenloses Online-Monitoring und Tracking & Tracing der Transporte bis zum Empfänger.

„Für den von TNT Express gebotenen Qualitätsservice ist es entscheidend, dass stets die größtmögliche Sicherheit gewährleistet wird“, betont Alexander Ferrier, Director Operations & Engineering von TNT Express in Deutschland. So werden gefährliche Güter bei standortübergreifenden Transporten standardmäßig in speziell dafür vorgesehenen Transportboxen befördert. Der Bodenbereich der Boxen ist so beschaffen, dass austretende Flüssigkeiten von bis zu 100 l aufgefangen werden können.

Spezialverpackung für empfindliche Produkte und klinische Proben

Für empfindliche Güter im medizinischen Umfeld bietet TNT Express verschiedene Verpackungen an: Das „Medpak A“ etwa ist geeignet für infektiöse Stoffe der Kategorie B der Gefahrgutklasse 6.2/UN 3373 und entspricht in Kombination mit der Sekundärverpackung, „Pathopouch“ genannt, den Verpackungsvorschriften IATA/DGR und ADR P(I) 650.

Die für den weltweiten Versand von klinischen Proben eingesetzten Verpackungen wie „Medpak Frozen“ und „Medpak Thermo“ aus der Produktlinie „Clinical Express Exclusive“ garantieren, dass die Sendung innerhalb eines festgelegten Zeitraums unter bestimmten Temperaturbedingungen transportiert wird.

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Mit dem in drei unterschiedlichen Größen verfügbaren „Medpak Frozen“ lassen sich Trockeneistransporte bis zu 96 h Dauer bei einer Temperatur von bis zu -79,5 °C durchführen. Diese Verpackungskomplettlösung entspricht den Vorgaben der IATA-DGR und der ADR-Verpackungsvorschrift 650 für diagnostische Proben (UN 3373/biologische Substanzen Kategorie B) sowie zusätzlich der IATA-Verpackungsvorschrift 904 für Trockeneis.

Zur Sicherung jeglicher Fracht, nicht nur gefährlicher und empfindlicher Güter, kommen bei TNT Express „auf Nahverkehrsfahrzeugen zertifizierte Ladungssicherungsmittel zum Einsatz“.

Für die Klimatisierung empfindlicher Güter, wie beispielsweise temperatursensibler Medikamente, hat TNT weitere zahlreiche spezielle Verpackungen entwickelt, die den Inhalt über einen definierten Zeitraum passiv in einem konstanten Temperaturbereich halten. Entsprechende Lösungen für temperatur- und zeitsensible Transporte bietet die Produktfamilie „Clinical Express“; zudem sind Direktfahrten mit klimatisierten Fahrzeugen möglich.

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Für die komplette Online-Sendungsverfolgung werden jegliche Sendungen in allen durchlaufenen Stationen mindestens ein Mal gescannt. Durch das Tracking kann TNT Express jederzeit nachvollziehen – und der Kunde zeitnah online nachverfolgen –, wo sich ein Packstück gerade befindet oder bereits befunden hat.

Akribische Ladungssicherung für die Ladungssicherheit

Gottfried Schatz, bei Dachser Experte für Ladungssicherung und Verpackung und zentraler Ansprechpartner für Wechselbrücken-Management und Ladungssicherung im Bereich Netzwerkmanagement/Organisation, erläutert, welche Arten der Ladungssicherung bei Sammelgutspeditionen in Frage kommen und was besonders zu beachten ist: „Wir unterscheiden zwischen ,Formschluss‘ und ,Kraftschluss‘. Ladungssicherung durch Formschluss bedeutet, dass die Ladung den ihr zur Verfügung stehenden Platz voll ausnützt, damit keine Lücken für Bewegungen zwischen einzelnen Ladeeinheiten bestehen. Als Hilfsmittel zum Formschluss können beispielsweise Sperrstangen, Zurrgurte, Ladegestelle und Ladebalken eingesetzt werden. Natürlich ist hierbei zu beachten, dass der Fahrzeugaufbau die auftretenden Kräfte der Ladung auch aufnehmen kann“, betont der Experte.

Stets fünf bis sechs unterschiedliche Ladungssicherungsmittel bereithalten

Bei Kraftschluss hingegen wird die Ladung „zum Beispiel mittels Zurrgurten auf die Ladefläche gepresst und dadurch die Reibungskraft erhöht, die ein Verrutschen der Ladung verhindert. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Verwendung von den Reibwert erhöhenden Antirutschmatten, die unter die Ladung gelegt werden.“

Zudem empfiehlt er den Fahrern, „immer fünf bis sechs unterschiedliche Ladungssicherungsmittel im Fahrzeug bereitzuhalten“. Denn man weiß nie, welche unterschiedlichen Sendungen während einer Tour noch hinzukommen und wie sich der Laderaum dadurch verändert. Wie er betont, stehen „in jeder Dachser-Niederlassung ausreichend Zurrgurte, Antirutschmatten, Klemm- und Sperrstangen für eine ordentliche Ladungssicherung zur Verfügung“.

Gottfried Schatz über sein wichtigstes Verpackungsgesetz: „Die Ware darf nie über die Palette hinausragen. Man stelle sich zum Beispiel Waschbecken aus Porzellan vor, die in jeder Kurve aneinanderstoßen. Das geht nicht lange gut.“ Beim Transport von Farbeimern müssen die Drahthenkel nach innen geklappt sein und beim Transport von großen Artikeln wie Öfen muss auf den Stand geachtet werden. Der Experte empfiehlt: „Für die Standsicherheit lieber eine größere Palette und mehr Fläche einplanen.“

Was die Folie angeht, so sollte sie sehr stabil sein und stets eine sehr hohe Dehnfestigkeit, Durchstoß- und Weiterreißfestigkeit aufweisen.

Auch für die Ladungssicherheit bei gefährlichen Gütern und Stoffen ist Dachser gut gerüstet. So beschäftigt das Unternehmen ein zentrales Gefahrgutmanagement und 150 regionale Gefahrgutbeauftragte, die „unter anderem die Kollegen vor Ort mit dem richtigen Umfang mit gefährlichen Gütern anleiten“.

Professionelle Ladungssicherheit bei Pharma- und Healthcare-Logistik

Dies betrifft die Ladungssicherung, die Fahrzeug- und Beladekontrolle sowie Bergung/Schutzausrüstung im Havariefall.

Zudem sind 18 Dachser-Standorte in Europa nach SQAS, dies bedeutet Safety and Quality Assessment System, des europäischen Chemieverbandes CEFIC beurteilt.

Dachser bündelt die Expertise im Transport und in der Lagerung von chemischen Produkten in der Branchenlösung Dachser Chem-Logistics und ist Kooperationspartner des Verbands der Chemischen Industrie in Deutschland, VCI.

„In unserem Healthcare-Transportnetzwerk in Benelux setzen wir Transporter und Lkw ein, die je nach Kundenanforderung sowohl gekühlte als auch sterile und radioaktive Güter transportieren können“, so die Verantwortlichen von Fiege, Greven.

Die beförderten Güter sind nach den geltenden ADR-Klassen eingeteilt in beispielsweise Klasse 7, „radioaktive Stoffe“, wobei es sich um Stoffe und Gegenstände aus der Nuklearmedizin handelt. Bei Klasse 6.2 handelt es sich um „ansteckungsgefährliche Stoffe“; dazu gehören zum Beispiel medizinische Proben, die Mikroorganismen, Bakterien, Viren oder ähnliches enthalten.

Radioaktive Stoffe werden von den Verladern transportfertig in speziellen bleiummantelten Behältern bereitgestellt. Kleinere Sendungen werden über Kleintransporter zugestellt beziehungsweise abgeholt. Diese Sendungen gehen beispielsweise an Krankenhäuser, wo sie für die jeweiligen Therapien der Patienten eingesetzt werden.

Für größere Transporte stellt Fiege Lkw mit speziell abgetrennten, bleiverstärkten Bereichen zur Verfügung. Sowohl die Fahrer als auch die operativen Mitarbeiter, die Kontakt mit den Gütern haben, sind gemäß den ADR- und GDP-Vorgaben geschult.

Cool Chain: Höchstleistung monitoren durch Echtzeit-Tracking-&-Tracing

„Mit der Fiege-Cool-Chain-Lösung verfügen wir außerdem über eine gesicherte lückenlose Kühlkette und eine äußerst leistungsfähige Monitoring-Lösung“, so Jens Hamann, Manager Marketing & Communication bei Fiege. Die Lösung ermöglicht sowohl ein GPS-basiertes Tracking & Tracing in Echtzeit sowie einen Echtzeit-Zustellnachweis durch die mobilen Endgeräte der Zusteller: Nach der digitalen Quittierung der erfolgreichen Zustellung werden die Daten per Mobilfunk in die Fiege-Cool-Chain-Lösung übertragen. Ebenso werden die Daten für das Realtime-Tracking über Mobilfunk direkt an das Fiege-System übertragen.

Der für das jeweilige Kundenunternehmen zuständige Betreuer kann in diesem System jederzeit alle wichtigen Daten der Sendung einsehen, so etwa die Position des Fahrzeugs oder die Temperatur; selbst konfigurierte sogenannte „Alarme“ benachrichtigen ihn automatisch, auch per SMS oder E-Mail, wenn festgelegte Grenzwerte erreicht werden. So ist er zu jeder Zeit über die Kundensendungen aussagefähig.

„Dieser persönliche Ansatz mit festen Ansprechpartnern ist in dieser auf höchste Sicherheit bedachten Branche ein wichtiger Aspekt“, so das Unternehmen. „Mit unserer Lösung kann der Kunde jederzeit in wenigen Sekunden alle relevanten Informationen über seine Sendungen von seinem Fiege-Kontakt erhalten.“

Für die Überwachung der Temperaturen sind mindestens drei Sensoren in den Fahrzeugen verbaut. Die Daten werden gemäß dem HACCP-Standard registriert und aufgenommen.

Für die Benelux-Region verfügt Fiege Healthcare über 150 Fahrzeuge, vom Transporter bis zu Sattelzügen. „Die Leistungen dieser Lösung erbringen wir unter anderem für Abbott (temperaturgeführte nationale Distribution in Belgien und den Niederlanden) sowie die temperaturgeführte nationale Distribution in den Niederlanden für Roche Diagnostics“, so Carina Haverstreng, Sector Manager Fiege Healthcare.

Branchenspezifische Gefahrgut- und Ladungssicherungs-Expertise

„Was uns von unseren Wettbewerbern unterscheidet, ist die Kombination aus speziell geschultem und sehr erfahrenem Personal, vom Fahrer über den Lagermitarbeiter bis zum Kundenbetreuer. Zudem verfügen wir über eine voll ausgestattete und überwachte Fahrzeugflotte für ADR-Stoffe und temperaturempfindliche Güter sowie unsere leistungsfähige IT-Lösung Fiege Cool Chain, verbunden mit dem engen, persönlichen Kontakt zu einem festen Ansprechpartner“, so die Expertin. „Dies alles können wir auch für große Auftragsvolumina gewährleisten. Dadurch erhalten unsere Kunden eine höhere Effizienz bei der Zustellung und, bedingt durch die Bündelungseffekte, die wir schaffen können, auch einen Kostenvorteil.“

„Für den Umgang mit Gefahrgut im Allgemeinen und für dessen Ladungssicherung im Speziellen gilt: Es darf keine Routine aufkommen. Der Mix aus verschiedenen Produkten mit unterschiedlichen Anforderungen ist viel zu groß, als dass es hier zu allgemeingültigen Standardverfahren kommen dürfte“, betont Andreas Beuermann, Leitung Consulting Security & Safety bei Hellmann Worldwide Logistics.

Der zentrale Schlüssel sind „hervorragend ausgebildete und sich stetig fortbildende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, die um die Besonderheiten des jeweils zu transportierenden Gefahrguts wissen, die hohen Sicherheitsanforderungen im Detail kennen und entsprechend handeln. „Daher“, so der Experte weiter, „verfügt Hellmann World-wide Logistics über eine eigene Gefahrgutabteilung, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unmittelbar und kompetent für sämtliche Fragen zum Thema Gefahrgutlogistik zur Verfügung stehen.“ Ziel ist es, dem Kunden proaktiv entsprechende Informationen zu seiner Gefahrgutladung zukommen zu lassen. „Darüber hinaus verfügen unsere Branchenexperten über spezifisches Gefahrgutwissen für Bereiche, wie etwa Automotive, Landmaschinenproduktion, erneuerbare Energien, Schiffsbaubranche und Kreuzfahrtindustrie, Mode und Bekleidung, temperaturgeführte Güter, Bundeswehr, Healthcare- und Krankenhauslogistik sowie Elektrotechnik.“

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Logistik.

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