Newsticker November: Aktuelles aus der Prozessindustrie 57,8 Millionen Euro: Sachsen forciert weitere Wasserstoff-Projekte

Von Wolfgang Ernhofer

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Im ständig aktuellen News-Ticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst sowie manche Kuriosität.

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

29.11.2022

Dresden (dpa/sn) *16:52 Uhr – Freistaat finanziert drei weitere Wasserstoff-Vorhaben

Im Zuge des europäischen Gemeinschaftsprojektes «IPCEI Wasserstoff» wird der Freistaat drei weitere sächsische Projekte kofinanzieren. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) wurde am Dienstag vom Kabinett beauftragt, die entsprechenden Verwaltungsvereinbarungen mit dem Bundeswirtschaftsministerium zu schließen. Der Landtag muss laut Mitteilung dem noch zustimmen. Der Landesanteil soll zusammen rund 57,8 Millionen Euro und damit 30 Prozent der Fördersumme betragen, der Bund übernimmt 70 Prozent.

Die Stadtwerke Leipzig forcieren den Angaben nach den Anschluss vor allem der Industrie in und um Leipzig ans nationale Wasserstoffnetz, das für die energieintensiven Unternehmen im internationalen Wettbewerb einen strategischen Vorteil darstellt. EDL Anlagenbau Leipzig arbeitet daran, PtX-Produkte wie nachhaltig produziertes Kerosin und Wasserstoff oder Rohbenzin (Nafta) zeitnah für Unternehmen bereitzustellen.

Der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft und die Anbindung der hiesigen Industrie seien gerade angesichts der schnellen technologischen und strukturellen Transformation und der nötigen Neuausrichtung der deutschen und europäischen Energiepolitik «von strategischer Bedeutung», sagte Dulig. Wasserstoff werde zum verknüpfenden Element der Wertschöpfung und Energieversorgung, Anlagen zur Herstellung und Verteilung, Transportsysteme und Wasserstoff-Derivate bildeten die Grundlage dafür.

Mit dem IPCEI-Projekt soll ein gemeinsamer europäischer Wasserstoffmarkt geschaffen werden. Im Zuge des Programms werden bereits Projekte von Sunfire Dresden und zwei Initiativen der Leipziger Ontras Gastransport zu je 30 Prozent kofinanziert.

Barcelona (dpa) *08:02 Uhr – Nestlé strebt in den kommenden Jahren weiteres Wachstum an

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé strebt in den kommenden Jahren weiteres Wachstum an und hat sich dazu neue Ziele gesetzt. Dabei soll auch die operative Marge auf hohem Niveau gehalten werden. Bis 2025 will Nestlé die Umsätze organisch, also Zukäufe und Wechselkursveränderungen herausgerechnet, auf nachhaltiger Basis jeweils im mittleren einstelligen Prozentbereich steigern, wie der Konzern am Dienstag im Vorfeld eines Investorentreffens in Barcelona mitteilte.

2022 wird nun ein organisches Erlös-Wachstum von 8 bis 8,5 Prozent angestrebt, zuvor hatte der Konzern rund 8 Prozent erwartet. Die operative Marge soll sich in den kommenden Jahren im Bereich von 17,5 bis 18,5 Prozent bewegen.

28.11.2022

Bietigheim-Bissingen (dpa/lsw) *21:19 Uhr – Chemie-Alarm: Hallenbad Bietigheim-Bissingen geräumt

Wegen des Austritts einer Chemikalie ist das Hallenbad Bietigheim-Bissingen am Montagabend geräumt worden. Mehr als ein Dutzend Menschen hätten über Atemwegsreizungen geklagt, berichtete die Polizei. Nach dem Anrücken der Feuerwehr wurde festgestellt, dass vermutlich Natronlauge freigesetzt wurde, die zur Reinigung der Wasserbecken genutzt wird. Konzentrierte Natronlauge wirkt auf der Haut stark ätzend.

Nach Angaben der Polizei wird von einem technischen Defekt ausgegangen. Insgesamt 14 Personen hätten über leichte Atemwegsreizungen geklagt. Nach einer Untersuchung durch den Rettungsdienst konnten sie nach Hause gehen.

27.11.2022

München (dpa) *06:20 Uhr – PwC-Studie: Energiekrise gefährdet Europa als Industriestandort

Die Energiekrise bedroht nach Einschätzung der Unternehmensberatung PwC Schlüsselsektoren der deutschen Industrie und könnte sogar eine Deindustrialisierung Europas auslösen. Europa verliere als Produktionsstandort an globaler Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität. Die deutsche Industrie werde besonders hart von den extrem gestiegenen Gaspreisen getroffen, heißt es in einer Studie der PwC-Tochter Strategy&. «Viele Unternehmen könnten sich zukünftig dazu entscheiden, ihre Produktion innerhalb Europas neu aufzustellen oder gänzlich aus Europa abzuziehen», sagte Strategy&-Europachef Andreas Späne.

Die Metall-, Auto-, und Chemiebranche seien wegen der höheren Produktionskosten unter enormem Druck. In Frankreich und Spanien stiegen die Produktionskosten vergleichsweise moderat. Ein Grund dafür sei der höhere Anteil von Atomstrom und erneuerbarer Energien im Energiemix. Stark von russischem Öl und Gas abhängige Länder wie Polen gerieten dagegen unter extremen Druck.

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Obwohl die deutsche Industrie in den meisten Branchen weiterhin günstiger als der EU-Durchschnitt produziere, könnten Unternehmen aus den am stärksten betroffenen Sektoren ihre Produktion in andere Regionen außerhalb Europas verlagern. Langfristig könne das zu Strukturverschiebungen innerhalb der europäischen Industrielandschaft führen oder sogar zu einer Deindustrialisierung, heißt es in der Studie.

Erst 2024 ist mit einer Entspannung am Energiemarkt zu rechnen. «Um wichtige Industrien im Land zu halten, muss die Politik jetzt die richtigen Anreize setzen, um die Inflation zu drücken und die Energietransformation zu beschleunigen», sagte Co-Autorin Eva Poglitsch. Mit der Erhöhung der Energieeffizienz, dem Ausbau erneuerbarer Energien und Dekarbonisierung eröffneten sich für die Unternehmen auch Chancen.

26.11.2022

Cottbus/Schwedt (dpa/bb) *13:12 Uhr – Brandenburg sagt PCK-Raffinerie weiter volle Unterstützung zu

Die Brandenburger Landesregierung sieht für die Raffinerie PCK in Schwedt trotz des geplanten Importstopps von russischem Öl eine Zukunft. «Wir werden alles dafür tun, dass dieser Standort als Raffinerie weiterarbeiten kann, dass dieser Standort weiterhin Arbeit schafft, Perspektiven schafft», sagte Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke am Samstag beim Landesparteitag der Brandenburger SPD in Cottbus. «Wir haben es geschafft, zwei Jahre lang den Menschen Arbeitsplatzsicherheit zu geben, allen die im PCK arbeiten.» Zugleich gebe es mehr Fördermittel für einen Umbau zu mehr Klimaschutz. Er betonte den Stellenwert der Raffinerie: «Schwedt spielt eine zentrale Rolle für die Versorgung mit Treibstoffen im größten Teil Ostdeutschlands.»

Essen (dpa) *09:22 Uhr – Brenntag bestätigt vorläufige Übernahmegespräche mit Univar Solutions

Der Chemiekalienhändler Brenntag ist an einer Übernahme des US-Rivalen Univar Solutions interessiert. Das Unternehmen bestätigte am Freitagabend vorläufige Gespräche über eine mögliche Übernahme. Diese hätten bisher noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt, teilte der Dax-Konzern in Essen mit. Es sei nicht absehbar, ob irgendeine Form von Transaktion stattfinden werde.

Ein Zusammenschluss könnte ein Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar (rund 28,8 Mrd Euro) schaffen. Für Brenntag – bislang eher durch eine Reihe kleinerer Zukäufe aufgefallen – wäre dies die bislang größte Übernahme. Das Essener Unternehmen hatte kürzlich einen neuen Wachstumsplan bis 2026 vorgestellt.

Berlin/Schwedt (dpa) *05:15 Uhr – Bund: Alle Arbeitsplätze in PCK-Raffinerie Schwedt für 2023 gesichert

In der PCK-Raffinerie in Schwedt sind nach Angaben des Bundes für 2023 alle 1200 Arbeitsplätze gesichert. Die Gesellschafter Rosneft, Shell und Eni hätten sich auf ein Budget für die Betriebskosten für das kommende Jahr geeinigt, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner, der Deutschen Presse-Agentur. «Demnach können betriebsbedingte Kündigungen 2023 ausgeschlossen werden. Alle stehen dafür ein, dass niemand entlassen wird. Das ist das, was wir versprochen haben.»

Die Bundesregierung hatte die Mehrheitseigner des PCK, zwei Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft, Mitte September unter Treuhandverwaltung und damit unter die Kontrolle der Bundesnetzagentur gestellt. Damals hatte die Regierung bereits eine zweijährige Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter in der Raffinerie im Nordosten Brandenburgs abgeben. Diese wurde nach Kellners Angaben mit den Beschlüssen jetzt für 2023 umgesetzt.

Am Freitag hatte der Bundestag den Bundeshaushalt beschlossen und damit den Weg für versprochene Hilfen zum Umbau ostdeutscher Wirtschaftsstandorte wie Schwedt freigemacht. Über 15 Jahre sollen gemeinsam vom Bund und dem Land Brandenburg 375 Millionen Euro in die Uckermark fließen. Geplant ist sogar ein Gesamtpaket von 825 Millionen Euro, um die Region fit für die Zukunft zu machen.

25.11.2022

Schwedt (dpa/bb) *16:26 Uhr – Weg frei für Förderung des Umbaus von Raffinerie PCK in Schwedt

Der beschlossene Bundeshaushalt macht den Weg für finanzielle Mittel auch zum Umbau ostdeutscher Wirtschaftsstandorte wie der Ölraffinerie PCK in Schwedt frei. Das teilte der Sprecher der SPD-Landesgruppe Brandenburg, Stefan Zierke, am Freitag mit. Über 15 Jahre würden damit gemeinsam vom Bund und dem Land Brandenburg 375 Millionen Euro in die Uckermark fließen, die dort als Teil eines Gesamtpakets von mindestens 825 Millionen Euro wesentlich dazu beitragen sollten, die Region fit für die Zukunft zu machen. Der Bundestag beschloss am Freitag den Etat für das Jahr 2023.

Die Bundesregierung hatte im September die Mehrheitseigner der Raffinerie, zwei Rosneft-Töchter, unter staatliche Kontrolle gebracht. Laut Wirtschaftsministerium hatte Rosneft wenig Interesse an einer Abkehr von russischem Öl. PCK will künftig grünen Wasserstoff auf dem Gelände produzieren, also mit Hilfe von Öko-Energien.

Die Bundesregierung hatte im September zugleich ein sogenanntes Zukunftspaket für Brandenburg, Sachsen-Anhalt (wegen der Raffinerie Leuna) und Mecklenburg-Vorpommern (wegen der Häfen) angekündigt. Für PCK sprach der Bund auch eine Beschäftigungsgarantie für zwei Jahre aus.

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