Turnarounds & Instandhaltung 10 Jahre Unfallfrei: Experten für den Anlagen-Boxenstopp haben Grund zu Feiern

Redakteur: Dominik Stephan

Wenn die Anlage stillsteht, geht es ums Ganze: Ähnlich wie beim Boxenstopp im Motorsport gilt es, die Produktion so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bringen. Und das ohne Abstriche bei der Sicherheit. Dass auch anspruchsvollste Turnarounds unfallfrei gefahren werden können, zeigt das Beispiel Bilfinger: Die Mannheimer ziehen nach über hundert Projekten eine positive Bilanz für ihr Maintenance Concept…

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Bei sogenannten Turnarounds werden komplette Industrieanlagen abgeschaltet, gewartet, erneuert und wieder hochgefahren. Bilfinger ist Spezialist für solche Generalinspektionen.
Bei sogenannten Turnarounds werden komplette Industrieanlagen abgeschaltet, gewartet, erneuert und wieder hochgefahren. Bilfinger ist Spezialist für solche Generalinspektionen.
(Bild: Bilfinger SE)

Eine Dekade im Dienste der Instandhaltung: Industriedienstleister Bilfinger blickt auf über 100 Turnaround-Projekte mehr als 4,4 Millionen geleisteten Arbeitsstunden zurück – und das ohne Unfall. Dabei wird das Turnaround Management für die Mannheimer und ihre Kunden wie Borealis, BP, Exxon Mobil und Total immer wichtiger, wie das Bilfinger Maintenance Concept unterstreicht.

„Beim Thema Arbeitssicherheit gehen wir bei Bilfinger keine Kompromisse ein. Das zahlt sich aus“, sagt Rainer Gross, Bereichsleiter Turnaround bei Bilfinger Maintenance. „Aber wir ruhen uns nicht auf dem Erreichten aus. Vielmehr entwickeln wir die Maßnahmen zur Arbeitssicherheit innerhalb unseres Bilfinger Maintenance Concepts konstant weiter.“

Beim Turnaround fliegen die Funken! (Bildergalerie)
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Das Bilfinger Maintenance Concept, kurz BMC, soll in 16 Modulen alle wesentlichen Aspekte der Instandhaltung abbilden, erklärten Firmensprecher. Es den gesamten Lebenszyklus einer prozesstechnischen Anlage und damit auch im Turnaround Methoden zur Arbeitsplanung und -ausführung sowie zur Mitarbeiterschulung.

So will man bei Bilfinger die Voraussetzungen für einen reibungslosen Turnaround schaffen, in dem typische Unfallursachen weitestgehend ausgeschlossen werden können. Als Turnaround werden in der Prozessindustrie umfangreiche Generalrevisionen von Anlagen bezeichnet, bei denen oft mehrere tausend Mitarbeiter über mehrere Wochen im Einsatz sind.

„Die Turnaround-Planung ist ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Aspekt – für unsere Kunden, aber auch uns selbst“, betont Hermann Holme, Geschäftsführer der Bilfinger Maintenance. „Großreparaturen und Stillstands-Projekte haben wesentlichen Einfluss auf das Betriebsergebnis einer technischen Anlage.

Angesichts eines immer schärferen Wettbewerbs wird professionelles Turnaround-Management für produzierende Unternehmen aus allen Branchen zunehmend zum Erfolgsfaktor“, so der Turnaround-Experte.

Durchblick im Anlagen-Stillstand: Wir waren bei der Revision eines Raffinerie-Standortes in Rotterdam dabei

„Die Entwicklung ist dabei noch lange nicht ausgereizt. Durch Bündelung von Gewerken und konsequente Digitalisierung der Prozessabläufe im Turnaround lassen sich sicher auch in Zukunft weitere Produktivitätsgewinne realisieren.“

Auch Außerhalb Europas können die Industriedienstleister hochdotierte Aufträge an Land ziehen: Erst Anfang Januar erhielt Bilfinger den Zuschlag für die regelmäßige Wartung und Instandhaltungsarbeiten an der Sabiya Power & Water Distillation Station in Kuwait erhalten. Das Volumen der auf eine Laufzeit von fünf Jahren ausgelegten Rahmenverträge beträgt rund 35 Millionen Euro, erklärten Firmensprecher. Im Nahen Osten erwirtschaftet das Geschäftsfeld Maintenance, Modifications & Operations mit etwa 3.700 Mitarbeitern einen Umsatz von 125 Millionen Euro (Stand Ende 2016).

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Derzeit sind etwa 23.000 Mitarbeiter bei Bilfinger mit Instandhaltungs-Aufträgen betraut – mehr als doppelt so viele wie in der Engineering-Sparte des Konzerns (9000 Mitarbeiter). In Zukunft soll gerade dieser Bereich mit neuen Technologien und ganzheitlichen Systemlösungen für Wachstum sorgen, erklärte Bilfinger-Vorstandsvorsitzender Tom Blades im Sommer 2017 der PROCESS.

Bilfinger goes Digital: Mit Technologien wie dem „Internet of Things“ wollen die Industriedienstleister nach Jahren der Dauerkrise den Befreiungsschlag schaffen. Erste Projekte zeigen das Potenzial für die Instandhaltung auf.

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