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Biopolymer erhöht Entölungsgrad

Wintershall nutzt Pilz um Erdölförderung zu verbessern

| Redakteur: Tobias Hüser

Bohrturm der Bohrung Düste Z10 in Barnstorf. Wintershall ist der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent.
Bohrturm der Bohrung Düste Z10 in Barnstorf. Wintershall ist der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent. (Bild: Wintershall)

Wintershall entwickelt derzeit eine neue umweltschonende Technologie, mit der die BASF-Tochter die Erdölförderung erheblich verbessern will. Die Idee dazu lieferte die Natur: Der Schlüssel zum Erfolg ist ein einfacher Pilz. Mithilfe des Schizophyllum commune könnte der Entölungsgrad je nach Lagerstätte um bis zu 10 % gesteigert werden.

Kassel – Waren Sie diesen Herbst schon Pilz sammeln? Wenn ja, sind Sie dabei vielleicht auch auf den Gemeinen Spaltblättling gestoßen. Der wächst nämlich in allen Wäldern der Welt. Für den Kochtopf oder die Pfanne eigent er sich zwar nicht – die Naturwissenschaft steckt aber große Hoffnungen in den Pilz.

Denn der Schizophyllum commune kann etwas, das sich für die Ölförderung nutzen lässt: Füttert man ihn mit Zucker und Sauerstoff, produziert er ein Biopolymer, ein hundert Prozent biologisches Verdickungsmittel. Mit diesem Polymer - nach seinem Schöpfer Schizophyllan genannt - soll künftig bis zu zehn Prozent mehr Öl aus Lagerstätten herausgeholt werden. Und das auf ganz umweltfreundliche Weise.

Eine Möglichkeit, die Fördermenge zu erhöhen, besteht darin, die Beweglichkeit oder Mobilität von Wasser und Erdöl anzugleichen. In vielen Lagerstätten ist das Erdöl sehr viel zähflüssiger als das Wasser. Dies bedeutet, dass das flüssigere Wasser die Gesteinsporen sehr viel leichter durchfließen kann als das Erdöl. Anstatt nun das Erdöl – wie eigentlich gewünscht – vor sich her zu schieben, findet es mit der Zeit Wege, um sich zwischen den Öltröpfchen hindurch zu quetschen - und nimmt dabei immer weniger Erdöl mit.

BASF produziert Polymer aus Schizophyllum commune

Das gelatineartige Pilz-Polymer dickt das Wasser an, das in die Lagerstätte gepresst wird, um die Fördermenge zu erhöhen. Das verdickte Wasser kann mehr Öl aus den Gesteinsporen der Lagerstätte an die Oberfläche bringen, weil es nicht mehr so leicht an dem kostbaren Rohstoff vorbeifließt. Auf diese Art ließe sich der Entölungsgrad einer Lagerstätte deutlich steigern. Mit Hilfe von Schizophyllan könnte der Entölungsgrad je nach Lagerstätte künftig von rund 35 auf bis zu 45 % gesteigert werden – ein gewaltiger Schritt.

Um das Biopolymer in der gewünschten Menge und Qualität bereitzustellen, muss der Produktionsprozess reibungslos und ohne jede Störung von fremden Organismen laufen. Bei der BASF in Ludwigshafen findet die Produktion des Polymers deshalb unter Hygienestandards statt, die denen der Lebensmitteltechnik entsprechen – und diese zum Teil sogar übertreffen.

Nach knapp zweijähriger Forschung bei der BASF will Wintershall das Biopolymer nun erstmals in einem Ölfeld testen und auf seine Eignung für die verbesserte Ölförderung überprüfen. 0,035 % Schizophyllan stecken in der Injektionslösung, die ins Ölfeld gepumpt wird. So wenig reicht aus, um das Wasser auf das 25-fache anzudicken. Für diesen Feldversuch, der für zwei Jahre angesetzt ist, wurde das norddeutsche Erdölfeld Bockstedt im Landkreis Diepholz ausgewählt.

Die Erdölförderung in Bockstedt und in den benachbarten Erdölfeldern Aldorf und Düste hat eine lange Tradition. Seit den 1950er Jahren wird hier das heimische Erdöl aus dem Boden geholt. Bereits im Jahr 1958 konnte die millionste Tonne Erdöl in der Region gefördert werden. Ein Jahr später wurde das Arbeitsgebiet durch die Entdeckung der Gasvorkommen in Eydelstedt auf die Gasförderung erweitert.

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