Worldwide China Indien

Biomasseabfälle

So lässt sich Energie aus Gülle und Kot erzeugen

| Redakteur: Matthias Back

Outotec hat zusammen mit KIC Inno Energy und der Universität Stuttgart eine Pilotanlage eröffnet, welche Biomasse in saubere Energie umwandelt ohne dabei das Problem des Algenwachstums in Gewässern aus den Augen zu verlieren.
Outotec hat zusammen mit KIC Inno Energy und der Universität Stuttgart eine Pilotanlage eröffnet, welche Biomasse in saubere Energie umwandelt ohne dabei das Problem des Algenwachstums in Gewässern aus den Augen zu verlieren. (Bild: KIC Inno Energy)

Zusammen mit KIC Inno Energy in Karlsruhe und der Universität Stuttgart hat das Technologieunternehmen Outotec gerade eine Pilotanlage vorgestellt, die helfen kann, Biomasse in saubere Energie umzuwandeln und gleichzeitig das Problem des Algenwachstums in Gewässern in Angriff zu nehmen.

Karlsruhe – Es hört sich ein wenig nach Science-Fiction an: Tierische und menschliche Exkremente werden zur Energiequelle und senken gleichzeitig die Umweltbelastung durch Nitrat und Phosphat. Genau daran arbeitet jedoch das Projekt De Bugger, das vor eineinhalb Jahren als Netzwerk bestehend aus dem Unternehmen Outotec mit seinen Standorten in Schweden und Deutschland und der Universität Stuttgart gestartet wurde. Seitdem wird daran gearbeitet, wie aus wässrigen Biomasseströmen, sprich dem täglich ausgeschiedenen Dung und Kot, die darin enthaltene Energie gewonnen, gespeichert und transportiert werden kann. Gleichzeitig soll der im Bioabfall vorhandene Stickstoff und das Phosphat recycelt, gelagert und für die kontrollierte Düngung in der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Science-Fiction? Gerade startet in Schweden ein großes Pilotprojekt. Die Zukunft ist vielleicht viel näher als gedacht.

„Mit dem Thema des Nährstoffrecycling und der Rückgewinnung kritischer Stoffe aus Abfällen beschäftige ich mich schon seit mehr als zehn Jahren“, sagt Projektleiter Ludwig Hermann. Bereits Mitte 2012 begann er im Unternehmen Outotec mit der Entwicklung von De Bugger (Demonstration of efficient Biomass Use for Generation of Green Energy and Recovery of Nutrients).

Biomasseabfälle energetisch kaum verwertbar

Generell werden wässrige Biomasseabfälle von Mensch und Tier, also vor allem aus den Kanalisationssystemen unserer Städte und den Abfällen aus der Landwirtschaft, nicht effizient genutzt. Grund dafür ist, dass Biomasseabfälle zu über 90 % aus Wasser bestehen und energetisch kaum verwertbar sind. Gleichzeitig überdüngen sie, beispielsweise als Jauchedung auf den Äckern, auf Dauer Böden und Gewässer. Die Folge sind überdüngte Böden und die Gefahr, dass in Binnen- wie Küstengewässern aufgrund des steigenden Phosphatgehalts vermehrt Algen wachsen und die Gewässer schließlich kippen.

„Anfang 2013 ging Outotec eine Kooperation mit KIC Inno Energy ein. Die Vorteile Mitglied von KIC Inno Energy zu sein, lagen für uns auf der Hand. Denn hier profitieren wir von einem hochspezialisierten Netzwerk, in dem sich Partner mit den gleichen Themen wie wir beschäftigen“, sagt Hermann. So bildete sich dank KIC Inno Energy die Kooperation zwischen Outotec und der Universität Stuttgart. Darüber hinaus ermöglicht die finanzielle Unterstützung durch KIC Inno Energy den Projektbeteiligten, die weitere Entwicklung der innovativen Idee zu einer vermarktungsfähigen Lösung zu bringen.

Dampfkreislauf-Trockner spart die Hälfte der benötigten Energie

Die Ingenieure und Forscher nehmen mit dem Projekt gleich mehrere Herausforderungen in Angriff. Die Biomasseabfälle dienen als Energiequelle und eignen sich zur Rückgewinnung der darin enthaltenen Phosphate. Hierfür wurde eine mehrstufige Verwertungskette konzipiert, bei der zunächst auf mechanischem Weg, etwa über Zentrifugen oder Filterpressen, ein Teil des Wassers aus den Abfällen entfernt wird.

Die erste Innovation, ein Dampfkreislauf-Trockner, die primär von den Forschern von Outotec Schweden entwickelt wurde, spart mehr als die Hälfte der benötigten Energiemenge ein, die zuvor notwendig war, um das in der Biomasse enthaltene Wasser zu verdampfen. Die zweite Innovation der De Bugger-Ingenieure ist eine Vergasungsanlage, die getrocknete Biomasse in ein Brenngas umwandelt, welches zur Erzeugung von Strom oder für die Erzeugung von Treibstoffen eingesetzt werden kann.

„Ein besonders wichtiger Schritt jedoch ist die Entwicklung von hocheffizienten Trocknungsanlagen. Die Trocknung ist wichtig, denn die „Rohstoffe“ können so leichter transportiert oder weiterverarbeitet werden. Derzeit benötigt eine Trocknungsanlage rund 800 Kilowattstunden, um eine Tonne Wasser zu verdampfen. Wir wollen eine Anlage entwickeln, die – durch intelligente Nutzung der in den Abgasen enthaltenen Energie – weniger als die Hälfte der Energiemenge benötigt“, so Projektleiter Hermann. Jetzt soll eine gerade vorgestellte Pilotanlage mit mehreren hundert Kilogramm Durchsatz je Stunde bei der Kläranlage im schwedischen Skelleftea in Betrieb gehen. „Dies wäre der weltweit erste hocheffiziente Trockner für wässrige Abfälle wie Gülle, Gärrückstände und Schlämme. Entsprechend aufregend ist gerade dieser Projektabschnitt für uns alle“, sagt Hermann.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43465571 / Wasser/Abwasser)