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Brände in der Produktion

Mängel an elektrischen Anlagen sind Brandursache Nummer Eins

| Redakteur: Tobias Hüser

Viele Betreiber sind sich aus Sicht des Tüv Nord ihrer versicherungsvertraglichen und gesetzlichen Pflicht nicht bewusst.
Viele Betreiber sind sich aus Sicht des Tüv Nord ihrer versicherungsvertraglichen und gesetzlichen Pflicht nicht bewusst. (Bild: Tüv Nord)

Laut der aktuellen IFS-Brandursachenstatistik entstehen rund 33 % der Brände durch Mängel an elektrischen Anlagen. Tüv Nord-Experten weisen darauf hin, dass Betreibern elektrischer Anlagen im Schadensfall neben eventuellen Produktionsausfällen auch ein enormes Haftungsrisiko droht. Das kann massive Kürzungen der Versicherungsleistung zur Folge haben.

Hannover – Zur Minderung des Risikos von Bränden fordert der Sachversicherer in der Regel eine jährlich oder zweijährlich wiederkehrende Prüfung der elektrischen Anlagen – die sogenannte VdS-Prüfung. Darüber hinaus sind Arbeitgeber durch die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) zum Schutz der Arbeitnehmer gesetzlich verpflichtet, die elektrischen Betriebsmittel vor dem ersten Einsatz und danach wiederkehrend zu prüfen. Doch vielen Betreibern sind nach Erkenntnissen von Tüv Nord sowohl die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Prüfinhalte als auch die detaillierteren VdSRichtlinien nicht bekannt.

„Ohne fachgerechte Instandhaltung und wiederkehrende Prüfungen kann bei elektrischen Anlagen kein ausreichendes Maß an Betriebssicherheit, und damit auch nicht der erforderliche Personen-, Sach- und Brandschutz, gewährleistet werden“, erläutert Kristoph Keunecke, Experte für Elektro-, Klima- und Medizintechnik bei Tüv Nord. Er ergänzt: „Für Betreiber, die sich regelmäßig den Prüfungsanforderungen stellen, reduziert sich die Brandgefahr und damit das Betriebsausfallrisiko signifikant.“ Ein weiterer Vorteil ist aus Sicht des Tüv-Experten, dass Betreiber durch angepasste Prüffristen und günstige Versicherungspolicen Kosten sparen können.

Welche Mängel führen zu Bränden?

Die Brandgefahr kann bei Alt-Anlagen besonders hoch sein, da sie auf Basis alter Normen und Erkenntnisse errichtet wurden. Sofern keine Nutzungsänderung vorliegt, besteht in der Regel keine Anpassungspflicht dieser elektrischen Anlagen an heutige Sicherheitsstandards. Ebenso sind zum Beispiel feuergefährdete Betriebsstätten wie Holzverarbeitungsbetriebe, Anlagen mit hohem Staubaufkommen oder Chemiebetriebe besonders anfällig. „Zu den typischen Mängeln, die an den Anlagen zu Bränden führen, zählen mögliche Überlastungen von Betriebsmitteln und Leitungen durch fehlerhafte Absicherungen, mehrfach in Reihe geschaltete Steckdosenleisten, nicht fachgerecht an Verbindungsklemmen angeschlossene Leiter sowie stark verunreinigte Elektroverteiler“, sagt Keunecke.

Für die VdS-Sachverständigen vom Tüv Nord steht nicht nur die Prüfung der elektrischen Anlage im Fokus. Viele Betreiber lassen sich von den Experten bei der Erstellung von individuellen Prüfkonzepten beraten. Denn bei sehr großen Anlagen kann es aufgrund des hohen Prüfumfangs sinnvoll sein, die Prüfungen sukzessive durchzuführen – also jedes Jahr schwerpunktmäßig verschiedene Bereiche der Anlage zu prüfen. „Dieses Vorgehen funktioniert nur mit Einverständnis der Versicherer, reduziert die Kosten für den Versicherungsnehmer aber deutlich“, sagt Keunecke. Zudem kann die VdS-Prüfung bei anstehenden baurechtlichen Prüfungen der elektrischen Anlage oder bei Einzelbauauflagen der Behörde eingebunden werden, um eine doppelte Begehung der Anlage zu vermeiden.

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