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Hannover Messe / Interkama+

Energieeffizienz stand im Fokus der Hannover Messe

15.04.2009 | Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp, Marion Henig / Marion Henig

Der Messgeräte-Hersteller Testo präsentiert auf der Hannover Messe unter anderem das Monitoring-Messsystem testo Saveris.

Rund 210 000 Besucher kamen in den vergangenen Tagen nach Hannover. Im Mittelpunkt der Messe standen nicht Ursache und Verlauf der Krise, sondern Ansätze zur Lösung. Die Hauptthemen Energieeffizienz und Operational Excellence waren hierfür prädestiniert und auch aus Sicht der Automatisierungs-Anbieter gut gewählt.

Hannover – Die Beteiligten verlassen Hannover mit der Entschlossenheit, die Chancen zu nutzen, die sich trotz aller Probleme in dieser Zeit bieten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Messe, Dr. Wolfram von Fritsch, zum Abschluss der Messe am Freitag. Und auch die zentralen Branchenverbände zogen ein positives Fazit: „In Hannover herrschte überwiegend eine positive Stimmung bei den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern - trotz der schwierigen Lage in Teilbereichen des Maschinenbaus“, berichtete Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) spiegelt dieses Bild wider. „Die Stimmung auf der Messe ist wesentlich besser als die Zahlen der Elektroindustrie“, stellte Friedhelm Loh, Präsident des ZVEI fest.

Die Hannover Messe richtete den Fokus auf Themen, die auch und gerade in der Krise wichtig sind, wie Energieeffizienz und Technologieführerschaft. Zwar handelten einige Aussteller mehr mit Bedacht und reduzieren ihr Budget. Dennoch wurde die Messe als solches von vielen Unternehmen nicht infrage gestellt. So verzeichnet der Bereich Industrial Automation in diesem Jahr laut Messeleitung neben einigen wenigen Absagen ebenso zahlreiche Neuanmeldungen und Aussteller mit vergrößerten Standflächen.

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Das Portfolio der Hannover Messe umfasst wie im Vorjahr die Leitmessen Interkama+, Factory Automation, Industrial Building Automation, Digital Factory, Subcontracting, Energy, Power Plant Technology, MicroTechnology sowie Research & Technology. Hinzu kommen 2009 die drei Leitmessen Motion, Drive & Automation, SurfaceTechnology und ComVac, die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Insgesamt präsentierten 6150 Aussteller aus 61 Nationen ihre Produkte auf 224 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Effiziente Prozesse sind gefragt

Aus diesem Themenspektrum und dem Leitthema Energieeffizienz in industriellen Prozessen ergaben sich zahlreiche Synergien für die Fachbesucher. Aus Sicht der Prozessindustrien ist das Leitthema gut gewählt, da gerade einmal zehn Prozent der Produktionskosten auf das Personal entfallen. Kapitalkosten und die Beschaffung von Energie und Rohstoffen sind die wahren Kostentreiber einer verfahrenstechnischen Produktion. Schlussfolgerung: Nicht niedrige Lohnkosten, sondern die besseren Methoden und effizienteren Prozesse sind für die Chemie im internationalen Wettbewerb entscheidend.

So war in Kooperation mit Bayer Technology Services auf der Ausstellungsfläche „Energieeffizienz in industriellen Prozessen“ in Halle 26 ein Funktionsmodell einer Bioethanol-Anlage nachgebaut, anhand dessen Optimierungsmaßnahmen aufgezeigt werden. Der komplette Prozess der Anlage war umgesetzt, so dass Energieeffizienz im Gesamtzusammenhang dargestellt wird. (Mehr zum Energieeffizienz-Funkionsmodell lesen Sie hier)

Funkgestützte Kommunikation

Auch Wireless-Lösungen waren auf der Hannover Messe präsent. Mit deren Hilfe lassen sich Daten aus weiter entfernt liegenden Anlagenbereichen in die Leitsysteme integrieren. Damit sind schnellere Entscheidungen möglich. Die Leitmessen Interkama+, Factory Automation und Industrial Building Automation greifen hierbei über Ausstellungsbereiche wie Steuer- und Leitsysteme, Prozessvalidierung, Mess- und Regeltechnik und industrielle Kommunikation ineinander, um einen horizontalen Überblick zu ermöglichen. Der Ausstellungsbereich in Halle 7 widmete sich drahtlosen Kommunikationstechnologien wie Bluetooth, ZigBee, WLAN. Auch die Trends zur Fernwartung sowie Anlagenüberwachung per Mobilfunk per GMS/UMTS waren hier zu finden. Spannend dürften auch die Diskussionen um den WirelessHART-Standard werden. (Mehr zum Ausstellungsbereich für funkgestützte Kommunikationstechnik lesen Sie hier)

Immer am Ball bleiben

Generell reicht es jedoch nicht, eine Methode zu beherrschen oder ein spezielles Messsystem zu installieren. „Das A und O für Operational Excellence ist ein störungsfreier Betrieb. Das bedeutet, keine Störungen in der Sicherheit, beim Umweltschutz und natürlich in der Produktion. Jede kleinste Störung drückt bei einem so kapitalintensiven Geschäft die Marge“, so das Fazit von Dr. Hans-Gerd Löhr, Sprecher der Geschäftsführung der Mineraloelraffinierie Oberrhein (MiRO). Dafür müssen – unabhängig von der Branche – Verfahren bewertet und optimiert, Prozesse modelliert und die entsprechende Instrumentierung ausgewählt werden. Dazu gehört das Monitoring von Reglerstrukturen ebenso wie das Benchmarking oder Manufacturing Execution Systeme (MES).

Der auf der Hannover Messe vorgestellte Real-time Production Organizer (RPO) von Yokogawa in Halle 10.2 schlägt Brücken zwischen Produktionsprozess und Enterprise Resource Planning (ERP). Das Softwarepaket adressiert dabei alle Aufgaben eines Manufacturing Execution Systems (MES), von der Planung über die Koordination bis zur Überwachung der Produktion.(Mehr zur VigilantPlant-Initiative von Yokogawa lesen Sie hier)

Wie sich die Produktivität von Prozessleitsystemen objektiv anhand eines neuen Index bewerten lässt, erklärt hingegen Dr. Jörg Niemann, Produktmanager Life Cycle Services, ABB Automation in Ratingen, am ABB-Stand in Halle 11: „Der Index, den ABB entwickelt hat, erfasst und visualisiert kennzahlenorientiert die produktivitätskritischen Stärken und Schwächen in der Betriebsführung von Anlagen.“ (Mehr zu den Effizienz-Lösungen von ABB lesen Sie hier)

Mit Kommunikation zum Erfolg

Neben der richtigen Instrumentierung oder einer bestimmten Software zählt wohl vor allem die Erfahrung auf dem Weg zur Operational Excellence. Daher gab es in Hannover gleich mehrere Veranstaltungen, auf denen sich die Besucher austauschen können. MES stellen als Informationsdrehscheibe im Unternehmen allen Bereichen Informationen und Auswertungen zur Verfügung. Damit sollen die Unternehmen schnell reagieren und Prozesse optimieren können. Zudem dienen MES dazu, Verschwendungen aufzudecken. Das Ziel ist es, damit effektiver zu produzieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Aus diesem Grund haben sich die Deutsche Messe, der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und die MESA Europe gemeinsam dazu entschlossen, ein MES-Event zu starten. Es findet am 22. April von 13 bis 17 Uhr im Convention Center, Saal 15/16 auf dem Messegelände statt.

Auch die im vergangenen Jahr eingerichtete Interkama+ Lounge – eine Plattform für Automatisierungsverantwortliche aus der Prozessindustrie – unterstützte mit Vorträgen, Beratungen und praxiserprobten Lösungsvorschlägen sowie mit eingebetteten Networking-Events den persönlichen Kontakt zwischen Fachleuten und Experten mit ähnlichen Herausforderungen und Verantwortungsbereichen fördern. Übergreifendes Thema der Veranstaltung in Halle 7 war „Operational Excellence“, darunter Themen wie MES, Plant Asset Management, Performance Management oder Advance Process Control. (Weitere Informationen zum Programm der Interkama+ Lounge lesen Sie hier)

Nicht zuletzt verlangt auch der weltweit wachsende Energiebedarf nach neuen Lösungen in Energieerzeugung und Verteilung. Erneuerbare und konventionelle Energieerzeugungstechnologien werden zunehmend einem ausgewogenen Energiemix darstellen. Die Fragestellung bzgl. der hieraus ergebenden Herausforderungen zur Gewährleistung einer sicheren Energieversorgung stehen daher im Zentrum des vierten World Energy Dialogue. Im Rahmen dessen wird der dritte Energy Efficiency Award an innovative Unternehmen aus Industrie und produzierendem Gewerbe verliehen. Vorgestellt werden Referenzprojekte zur Steigerung der Energie- und Kosteneffizienz.

Fazit: An Opertional Excellence führt kein Weg vorbei. Mit den verschiedenen Leitmessen und Veranstaltungen bot die Hannover Messe einen umfassenden Überblick, welchen Beitrag die Automatisierungstechnik für effizientere Prozesse leisten kann. Weitere Messe-News finden Sie hier.

Die Autorin Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp ist freie Redakteurin bei PROCESS.


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