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Drei Fragen an Claire Range, Industrieexpertin der Deneff

„Industrierabatte dürfen Energiesparen nicht bestrafen“

| Autor: Anke Geipel-Kern

Claire Range ist Industriexpertin bei der deutschen Unternehmensiniative Energieeffizienz, kurz Deneff.
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Claire Range ist Industriexpertin bei der deutschen Unternehmensiniative Energieeffizienz, kurz Deneff. (Bild: ©2014 fotostudio-charlottenburg)

Der neue Branchenmonitor Energieeffizienz 2017 beleuchtet alljährlich die Trends der Branche. Wo es gut läuft und wo es klemmt, fragten wir Claire Range, Industrieexpertin bei der Deneff, der deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz. Sie sieht große Chance in der Digitalisierung der Branche bemängelt aber den Fachkräftemangel, der den Jobmotor Energieeffizienz zum Stottern bringen könnte.

Claire Range ist bei der Deneff für Themen der Energieeffizienz in Industrie und Gewerbe zuständig. Vor ihrer Tätigkeit bei der Deneff arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin in verschiedenen Projekten der wissenschaftlichen Politikberatung zu Themen der Energie- und Ressourceneffizienz. Die staatlich geprüfte Fremdsprachenkorrespondentin absolvierte ihr Studium der Sozial- und Politikwissenschaft in Bochum, Barcelona und Berlin. Claire Range war gemeinsam mit Maja Dahlgren von der Schwedischen Energieagentur Co-Chair der eceee Industrial Efficiency 2016.

PROCESS: Frau Range, der neue Branchenmonitor Energieeffizienz 2017 ist gerade erschienen. Welche sind seine Kernaussagen?

Claire Range: Der Branchenmonitor Energieeffizienz 2017 zeigt, dass Energieeffizienz ein wichtiger Job- und Wachstumsmotor ist. Die Branche hat 2016 rund 143 Mrd. Umsatz erwirtschaftet und etwa 600 000 Personen beschäftigt Das sind in beiden Bereichen sechs Prozent mehr als 2015, trotz geringerer Energiepreise. Diese positive Entwicklung ist vor allem auf politische Rahmenbedingungen zurückzuführen. Entsprechend wichtig ist die Weiterentwicklung dieses Rahmens für die Unternehmen. Dafür setzt die Deneff sich ein. Sehr wichtig ist den Unternehmen, dass rechtliche Hemmnisse für Energieeffizienz beseitigt werden. So sollten Industrierabatte bei Energiesteuern und -abgaben Energiesparen nicht bestrafen, wie es z. B. bei der EEG-Umlage derzeit für manche Unternehmen der Fall ist. Ein großes Problem der Branche ist der Fachkräftemangel, besonders Akademiker und Facharbeiter fehlen. Dem sollte die Politik durch eine Qualifizierungsoffensive begegnen.

PROCESS: Gerade Start-ups profitieren vom Markt für Energieeffizienz. Warum ist dieses Geschäft für diese Szene so interessant?

Range: Energieeffizienz ist ein Bereich, der noch viel Potenzial für neue Geschäftsmodelle bietet. Die Digitalisierung eröffnet viele Möglichkeiten. Gerade dies macht es für Start-ups so interessant. Die Unternehmen haben im Branchenmonitor Energieeffizienz angegeben, dass etwa ein Drittel ihrer Konkurrenten neu in den Markt eingetreten sind. Und trotz der rückläufigen Gründungsaktivität in Deutschland machen Start-ups etwa ein Viertel davon aus. Das beobachten wir auch bei der Deneff: Jedes siebte Mitglied ist inzwischen ein Start-up. Davon profitieren auch die etablierten Unternehmen. Als Verband versuchen wir, den Austausch zwischen beiden aktiv zu fördern, z. B. durch den ersten Energy Efficiency Hack Anfang dieses Jahres. Die Deneff vergibt außerdem jährlich den Perpetuum Energieeffizienzpreis. Dieses Jahr haben ihn zwei Start-ups gewonnen.

PROCESS: Welche Chancen stecken in der Digitalisierung, wenn es darum geht Effizienzbarrieren zu beseitigen?

Range: Wenn wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen nicht realisiert werden, dann liegt das häufig an versteckten Transaktions-, Opportunitäts- und Risikokosten. Die Digitalisierung kann dabei helfen, diese Effizienzbarrieren zu beseitigen. Entsprechend sind die beiden wichtigsten technischen Energieeffizienztrends, die der Branchenmonitor aufzeigt, digitalisierungsgetrieben: die lastabhängige und bedarfsgerechte Steuerung von Anlagen, die IKT- und Software-Innovationen sowie mobile Integration. Ein Beispiel dafür, wie das in der Praxis schon sehr erfolgreich funktioniert, ist die kostenlose Handy-App von unserem Mitgliedsunternehmen KSB, der sogenannte Sonolyser. Man muss nur das Handy neben eine laufende Pumpe halten und die App kann „hören“, wenn die Pumpe ineffizient läuft.

Auf welchen Quellen basiert der Branchenmonitor Energieeffizienz?

Der Branchenmonitor Energieeffizienz basiert auf einer Erhebung unter Unternehmen aus verschiedenen Bereichen der Energieeffizienzbranche (Maschinenbau, Energiemanagement- und Beratungsdienstleistungen, Gebäudetechnik, Baugewerbe, Contracting, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik anderen) und wurde 2017 bereits im fünften Jahr in Folge von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) herausgegeben.

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