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Großprojekte im Iran

Goldrausch am Golf: Ist der Iran wirklich das erhoffte Anlagenbau-Eldorado?

| Autor / Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

(Bild: © anekoho/Fotolia.com)

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Mit dem Iran kehrt ein wesentlicher Öl- und Petrochemieplayer zurück in die Manege – Als 2016 die Sanktionen gegen das Land mit den größten Reserven an Erdgas und viertgrößten Erdölvorkommen der Welt gelockert wurden, jubelten die Anlagenbauer. Der enorme Modernisierungsbedarf und die Industrialisierungspolitik Teherans versprachen ein Milliardengeschäft zu werden. Megaprojekte und Groß-Investitionen wurden im Wochenrhythmus angekündigt. Zeit für ein erstes Resümee …

Ausgerechnet der Iran: Mit der Rückkehr des einstigen „Schurkenstaats“ auf die Weltbühne verbinden Chemiefirmen und Anlagenbauer enorme Hoffnungen. Nach Jahren der Isolation ist der Nachholbedarf gigantisch. Und dank der enormen Erdöl- und Gasvorkommen des Landes stehen auch die Ressourcen für dringend nötige Modernisierungs- und Industrialisierungsprojekte zur Verfügung.

Jetzt buhlt das Land um Investoren: Allein der Downstream-Sektor soll zusätzliche 20 Milliarden Dollar anziehen, um die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffpreisen zu reduzieren. Eine Trendwende, gingen doch bisher 75 % der Investitionen in die Upstream-Produktion von Öl und Gas. Als Fortsetzung der Autarkiebestrebungen der Sanktionsjahre sollen in Zukunft Grundstoffe und Vorprodukte im Land produziert werden.

Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran birgt für deutsche Unternehmen große Chancen – aber auch einige Risiken. Zu diesem Schluss kommt der führende Kreditversicherer Euler Hermes in seiner Studie „Iran – back in the game?“. Lesen Sie jetzt mehr: Aus diesen vier Gründen können deutsche Unternehmen vom Iran profitieren

Auch die Pharmaindustrie, eine der wichtigsten Wachstumsbranchen, setzt auf Selbstständigkeit. Bedienen importierte Medikamente derzeit noch 60 % des iranischen Pharmamarkts von etwa drei Milliarden Dollar, soll dieser Wert durch Lizenzfertigung und Generika sinken.

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08.03.16 - Ein neuer Markt mit sagenhaften 9,2 % Zuwachs pro Jahr: Der Nahe und Mittlere Osten sind auf dem besten Weg, Asien als Pharma-Mekka abzulösen. Jetzt verleiht die Öffnung des iranischen Marktes der Branche zusätzlich Schub – das Rennen auf die Fleischtöpfe ist eröffnet, meinen die Analysten. lesen

„Wenn Sie ein globaler Produzent sind und für einen Moment die beträchtlichen geschäftlichen und politischen Risiken außer Acht lassen können, ist das eine attraktive Gelegenheit“, ist sich auch Michael Smith, Vice President für Europa, Nahost und Afrika des Marktanalysten IHS Chemical sicher. „Wichtige Akteure der chemischen Industrie stehen in den Startlöchern, um das Potenzial des Iran zu erkunden, doch sie werden dabei nicht planlos vorgehen.“

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Vor den Sanktionen lieferte der Iran petrochemische Produkte wie Ethylen, PE und Methanol nach Europa. Angesichts des Embargos wurden diese nach Asien, Afrika und Südamerika umgeleitet. Das Geschäft mit Europa kam darüber praktisch zum Erliegen. Schwerwiegender waren die Auswirkungen auf die iranische Petrochemie, die immer schwieriger an Technologie und Kapital kam. Eine chronisch geringe Auslastung, Instandhaltungsrückstände und Produktionsengpässe waren die Folgen.

Big Oil plant das Comeback

Die Öl-Multis waren daher unter den Ersten, die ihre Rückkehr in den Golfstaat ankündigten: So plant Shell mit der iranischen National Petrochemical Company (NPC) den Bau einer Gascrackeranlage, einer Dieselraffinerie und einer Gas-to-Liquids-Produktion. Shells französischer Konkurrent Total hatte zuvor eine Vereinbarung mit NPC über einen gemeinsam betriebenen Petrochemiekomplex unterzeichnet.

Auch das japanische Unternehmen Sojitz plant, beim Bau einer Methanol-to-Propylen-Anlage mit NPC zu kooperieren. NPC erklärte ebenfalls, sich in Gesprächen mit der BASF zu befinden, was die Ludwigshafener nicht bestätigen wollten. Auch Linde will ein Stück vom Kuchen abhaben: Zusammen mit Mitsui Chemicals würden die Gasspezialisten ein Milliarden-Invest planen, erklärte NPC-Vorstand Marzieh Shahdaei.

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