England China Indien
Erneuerbare Energie

Methan als Speicher für Strom aus erneuerbaren Energien

20.06.11 | Redakteur: Sonja Beyer

(Logo: Fraunhofer-Gesellschaft)
(Logo: Fraunhofer-Gesellschaft)

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat mit Stromspitzen und Strommangel zu kämpfen. Künstlich hergestelltes, erneuerbares Erdgas (E-Gas) soll nun als Puffer fungieren.

München – An einem windigen sonnigen Tag liefern Windkraftanlagen oft mehr Strom als die Verbraucher benötigen – an windstillen Tagen reicht die Stromproduktion dagegen nicht aus. Während sich Strom aber schlecht speichern lässt, kann man Erdgas problemlos lagern. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) beteiligen sich deshalb an einem Projekt, in dem Audi und Solarfuel eine neue Anlage errichten. Sie soll mithilfe des neuen Technologiekonzepts „Power-to-Gas“ Strom aus erneuerbaren Energien im industriellen Maßstab in Methan umwandeln.

Der elektrische Strom spaltet Wassermoleküle zunächst in Wasserstoff und Sauerstoff. Lässt man den Wasserstoff mit CO2 reagieren, entsteht Methan. Das Verfahren an sich ist seit langem bekannt. Es in großem Maßstab einzusetzen, um Netzengpässe durch erneuerbaren Energien auszugleichen, sei dagegen ein neuer Ansatz. „Strom- und Gasnetz zu koppeln, ist ergänzend zu Netzausbau, Lastmanagement und Kurzzeitspeichern ein Eckpfeiler der Energiewende“, sagt Prof. Dr. Jürgen Schmid, Leiter des IWES. „Es ist absehbar, dass erneuerbarer Strom zur Primärenergie wird, da sich beispielsweise Windstrom mit zur günstigsten Art und Weise der Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien entwickelt.“ Indem die Power-to-Gas-Technologie die Strom- und Gasnetze koppelt, soll sie Stromengpässe von bis zu zwei Wochen überbrücken können.

Die neue Anlage, die 2013 in Betrieb gehen soll, wird eine Leistung von 6,3 Megawatt haben, etwa so viel wie drei große Windräder oder 1000 Photovoltaikanlagen. Das für den Prozess benötigte CO2 stellt eine Biogasanlage des Partners EWE in unmittelbarer Nähe bereit, die Reststoffe und Abfälle verwertet. Das erzeugte Methan wird im niedersächsichen Werlte ins Gasnetz eingespeist, wo es dann in Gasspeichern lagert. Von dort aus strömt es über die vorhandenen Erdgasleitungen zu den Verbrauchern.

„Unser Konzept Power-to-Gas löst gleich zwei Kernprobleme der Energiewende: die Speicherung von erneuerbaren Energien und die Versorgung mit klimafreundlichem Kraftstoff. Damit wird eine stabile Stromversorgung auch mit Wind- und Solarenergie möglich“, sagt Dr. Michael Sterner, leitender Wissenschaftler am IWES. Herrscht ein Mangel an Strom, kann das Gas in Gaskraftwerken erneut Strom erzeugen. Neben dem Vorteil der Lagerung des Methans lassen sich damit auch herkömmliche Erdgasautos betanken.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Spamschutz 

Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein:
Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 27580910) | Archiv: Vogel Business Media