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Eurochlor 2017

Chlorchemie zwischen Bangen und Hoffen: Eurochlor 2017 soll neues Zeitalter einläuten

| Autor / Redakteur: Dominik Stephan / Wolfgang Ernhofer

„Lassen Sie unsere Stimme für die Nachhaltigkeit gehört werden“, erklärte Dieter Schnepel, Eurochlor Chairman, in Berlin.
„Lassen Sie unsere Stimme für die Nachhaltigkeit gehört werden“, erklärte Dieter Schnepel, Eurochlor Chairman, in Berlin. (Bild: PROCESS)

Europas Chlorchemie sucht nach neuen Wegen: 2017 kommt das Ende für das Amalgamverfahren, welches Jahrzehnte die Chlorproduktion bestimmte. Bei der diesjährigen Eurochlor, dem Klassentreffen der europäischen Chlorchemie, soll die Branche auf Nachhaltigkeit eingeschworen werden.

Im März 2017 ging die Chlorproduktion Europas gegenüber dem Vorjahr zurück: 791.833 Tonnen Chlor (2016: 802.803 Tonnen) entsprechen einem Rückgang um 1,4 %. Jetzt kommt das endgültige Aus für den Produktionsprozess mit Quecksilber, das sogenannte Amalgamverfahren, in der EU. Zwar steht das Datum schon seit Jahren fest, da die Technologie nicht mehr dem Stand der Technik entspricht, trotzdem wird immer noch 20 % des europäischen Chlors auf diese Weise produziert.

Das moderne Membranelektrolyseverfahren wird derzeit in 64 % der Produktionsanlagen eingesetzt. Trotzdem haben sich die Schreckensszenarien von einer weitestgehenden Stilllegung der europäischen Chlorproduktion nicht bewahrheitet: Experten gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres fast alle verbleibenden Amalgam-Anlagen auf die Membranelektrolyse umgerüstet werden.

Eurochlor, der europäische Verband der Chlorchemie, setzt jetzt auf Nachhaltigkeit: Auf der Eurochlor 2017 in Berlin stellt die Branche die vielfältige Nutzung der Chemikalie ebenso in den Mittelpunkt wie auch neue Produktionsverfahren. „Lassen Sie unsere Stimme für die Nachhaltigkeit gehört werden“, erklärte Dieter Schnepel, Chairman der Organisation in Berlin.

Technologieaustausch in Berlin

Gerade in der deutschen Bundeshauptstadt steht aber noch ein weiterer Punkt ganz oben im Interesse der Branche: Die Energiepreise. Chlor wird aus Kochsalz (Natriumchlorid) gewonnen – doch das Verfahren ist extrem energieaufwändig. Außerdem entsteht als Nebenprodukt Natronlauge – ein Massenprodukt mit nur geringer Marge, dass häufig schwierig zu vermarkten ist.

Umso wichtiger ist für die Industrie der Wissens- und Know-How-Austausch auf Veranstaltungen wie der Eurochlor, die 2017 über 360 Teilnehmer aus aller Welt nach Berlin gelockt hat. An insgesamt drei Tagen tauschen sich dort Technologieexperten, Anlagenbetreiber, Engineering-Spezialisten und Waste-Manager über alle Aspekte der Chlorproduktion von Energieeffizienz bis zur Entsorgung von anfallendem Quecksilber aus. Dazu kommt eine Ausstellung von etwa 60 Firmen und Technologiepartnern im Maritim Hotel Berlin.

Auch nach dem Amalgam-Aus bleibt Quecksilber ein heißes Thema

Gerade dieser Aspekt wird häufig zum Hemmschuh beim Rückbau der Amalgam-Technologie: Das hochgiftige Schwermetall muss nach EU-Recht erst als Quecksilbersulfid stabilisiert und anschließend deponiert werden.

Doch die Kapazitäten dafür sind begrenzt – und der größte Anbieter von Stabilisierungstechnologie findet sich in der Schweiz. Eine Ausfuhr von flüssigem Quecksilber in ein Nicht-EU-Land ist jedoch aus Umweltgründen verboten, was das Problem noch dringender werden lässt.

Entsprechend wurden auf der Eurochlor auch anwesende Bundestagsmitglieder und EU-Regulatoren aufgefordert, hier zusammen mit der Industrie an einer praxisnahen Umsetzung der neuen BAT-Richtlinien zu arbeiten.

Weitere Informationen: www.eurochlor.org

* Der Autor ist Redakteur der PROCESS

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